Westliche Kräutermedizin

Heilkräuter in der TCM - Berberitze

 

Die Verwendung von Heilkräutern ist in nahezu allen medizinischen Traditionen seit Jahrtausenden bekannt. In unserer abendländischen Kultur erlebte die Erforschung der Heilkräfte bestimmter Pflanzen durch Hildegard von Bingen eine Blütezeit. Viele der damals gewonnenen Erkenntnisse gerieten allerdings mit dem Aufkommen der modernen Naturwissenschaften wieder in Vergessenheit.

In der traditionellen Medizin des Ostens stellt die Kräutertherapie eine der wichtigsten tragenden Säulen dar. Als sich die TCM als ganzheitlich orientierte Behandlungsform auch im Westen immer stärker etablierte, hat man die Rezepturen 1:1 übernommen und die dafür benötigten Pflanzenteile aus China importiert.

Heilkräuter in der TCM - Goldrute

 
Es sollen chinesische Experten gewesen sein, die gefragt haben, warum wir Europäer denn nicht unsere eigenen Heilpflanzen verwenden, die doch so zahlreich und vielfältig in unseren Gärten, Wiesen und Wäldern wachsen. Aus diesen Erkenntnissen entwickelt sich derzeit eine erfolgversprechende Symbiose, welche die chinesische Syndromdiagnostik, die Leitkriterien der 5 Wandlungsphasen und das alte europäische Wissen um die heilende Wirkung heimischer Pflanzen miteinander verbindet.

Auch die Ergebnisse moderner Analyseverfahren zur Bestimmung des Gehalts an biochemisch aktiven Wirkstoffen einer Pflanze lassen sich mit traditionell-chinesischen Kriterien wie Geschmack, Wirkrichtung im menschlichen Körper, Organbezug und Temperaturverhalten kombinieren.

Beispiel

Heilkräuter in der TCM - Lavendel

Ein Patient hat beruflich viel Stress und klagt über Unruhezustände mit Herzklopfen und anfallsartigen Kopfschmerzen. Er reagiert zunehmend gereizt auf seine Umwelt, es kommt zu Wutausbrüchen, die er früher von sich so nicht kannte, und abends kann er schlecht einschlafen.

Ein Kraut, welches in diesem Fall als Bestandteil einer individuell zusammengestellten Tee-Rezeptur gute Wirkung erzielen kann, ist der Lavendel.

  • Lateinischer Name:
    Lavendula angustifolia
    ,
    syn. Lavandula officinalis
  • Verwendete Teile: Blüten
  • Thermische Wirkung: neutral bis kühl
  • Geschmack: leicht bitter, leicht scharf
  • Organzuordnung: Leber, Herz

Wirkung (u.a.) chinesisch: Senkt aufsteigendes Leber-Yang, bewegt stagnierendes Leber-Qi, besänftigt inneren Wind, kühlt Herz-Feuer, kühlt Leere-Feuer und beruhigt den Geist.

Wirkung westlich: Die in den Blüten enthaltenen ätherischen Öle Linalool und Linalylacetat haben einen beruhigenden, spasmolytischen und entzündungshemmenden Effekt und können daher zur Behandlung von innerer Unruhe, nervöser Erschöpfung, Einschlafstörungen, Migräne und Neigung zu Krämpfen verwendet werden.

Die Rezepturen

Für die Kräutertherapie werden je nach Symptomen-Komplex Wurzeln, Blätter oder Blüten oder auch Kombinationen verschiedener Pflanzenteile verwendet und diese fein aufeinander abgestimmt. Die so individuell zusammengestellten Rezepturen werden meistens als Tee oder Infus verordnet. Diese Anwendung ist mit den chinesischen Dekokten (chin.: „Suppe“ – hier werden die Pflanzenteile vorher eingeweicht und anschließend z.T. lange gekocht) nicht direkt vergleichbar, wird aber in der Regel wegen des weniger großen Zeitaufwands bevorzugt. Viele Kräuter sind auch als Tinkturen erhältlich.

Durch die Verwendung heimischer Kräuter können lange Transportwege und damit Kosten gespart werden. Außerdem lassen sich Alter und Qualität besser beurteilen als bei importierter Trockenware aus China.

Nicht zuletzt geht man auch von einer besseren Verträglichkeit aus, da sich unser Organismus an die in unseren Breiten wachsenden Heilpflanzen über Generationen hinweg adaptieren konnte.

Heilkräuter in der TCM - verschiedene Kräuter und Gewürze